Athom Homey Bridge im Test: Günstige, aber vielseitige Smart-Home-Zentrale für Einsteiger – leider nur mit Cloud (2024)

Inzwischen hat gefühlt jeder Hersteller und jede Handelskette eigene Komponenten rund ums Smart Home im Angebot, seien es zur Beleuchtung, Steckdosen oder verschiedenste Sensoren. Gefühlt gibt es hundert Systeme, namentlich vorne wären da sicherlich Philips Hue, Bosch Smart Home, IKEA, Aquara und Fibaro zu nennen – aber das ist wirklich nur ein Bruchteil. Auch bei den Protokollen herrscht Wirrwarr, denn während die meisten Hersteller auf Standards wie Z-Wave oder Zigbee (und selten auch EnOcean) setzen, bauen andere wiederum auf Bluetooth oder WiFi oder ein anderes, geschlossenes Protokoll. Prinzipiell sollten sich vor allem Z-Wave und Zigbee übergreifend einbinden lassen, aber nur, weil es einen Standard gibt, heißt das eben nicht, dass dieser auch korrekt von den Herstellern implementiert wird. Und muss man sich irgendwann für einen Hersteller entscheiden oder hat unter Umständen etliche verschiedene Smart-Home-Zentralen, die alle getrennt voneinander laufen und sich im besten Falle zumindest über Alexa, Google Assistant oder Apple Home gemeinsam steuern lassen.

Wirklich “smart” ist das aber so nicht, zumal ich keine Lust habe, mich festzulegen oder zwei, drei Zentralen parallel zu betreiben. Genau hier kommen Multitalente ins Spiel, die sich auf verschiedene Protokolle verstehen und so wirklich aus den verschiedenen Komponenten ein einheitliches System machen – so kann man sich quasi das beste aus allen Welten aussuchen. Wer die Muße hat, ein wenig zu basteln, der bekommt mit Home Assistant, ioBroker oder openHAB funktionell umfangreiche Lösungen. Soll es eine Plug’n’Play-Lösung sein, ist die Auswahl schon etwas begrenzter und man landet früher oder später bei dem auch von mir bisher zufrieden genutzte homee aus Deutschland oder dem niederländischen Hersteller Athom mit seinem Homey. Da gibt es den teureren Homey Pro, der mit Ausnahme von EnOcean so ziemlich alles beherrscht, was nutzbar ist. Und neuerdings auch die günstigere Homey Bridge, die auf eine abgestecktere Hardware setzt und für den kompletten Funktionsumfang ein monatliches Abonnement voraussetzt. Ob sich das ganze lohnt und für wen, wollte ich mir selbst einmal anschauen.

Die Homey Bridge

Im Gegensatz zur bisherigen Kugel des (aktuellen) Homey Pro kommt die Homey Bridge als Diskus daher und misst rund 13 Zentimeter im Durchmesser, die Höhe liegt bei rund 3,5 Zentimetern. Eine Wandmontage ist von Haus aus leider nicht vorgesehen, wer allerdings einen 3D-Drucker besitzt, der weiß sich da sicherlich zu behelfen und findet auch bereits das ein oder andere fertige Modell, die teilweise auch als Diffuser für die LED (siehe unten) herhalten können. Etwa 200g bringt die Scheibe auf die Waage, was gerade in Kombination mit dem Kunststoff-Gehäuse sehr fragil erscheint. Der umlaufende Rind ist silberfarben gehalten, die Oberseite jedoch aus schwarzem Klavierlack – hätte es definitiv nicht gebaut und sieht nach wenigen Stunden bereits grausam aus. Ich hoffe ja immer noch auf eine Zeit, in der Hersteller auf hochglanzlackierte Oberflächen verzichten. Die Unterseite ist leicht gummiert, was für einen rutschfesten Stand sorgt.



Was in 2023 ebenfalls fremd wirkt, ist der MicroUSB-Anschluss auf der Rückseite. Nun steckt man die Bridge einmal ein und trägt sie dann nicht munter herum, der Anschluss wirkt aber schon ein wenig aus der Zeit gefallen. Weitere Anschlussmöglichkeiten – wie beispielsweise für ein Ethernetkabel – sucht man vergeblich, die Homey Bridge ist alleinig per WiFi unterwegs, da hilft auch kein Adapterkabel. Mal vom Hochglanz-Schwarz abgesehen ist die Homey Bridge aber doch ganz ansehnlich und muss nicht in einer hinteren Ecke versteckt werden. Insbesondere der umlaufende LED-Ring ist nochmal ein kleines Highlight. Im Standby-Modus leuchtet der LED-Ring im vollen Farbspektrum, kann aber auch über Automatisierungen entweder ausgeschaltet werden. Ebenso kann die LED auch als Benachrichtigung dienen und zum Beispiel für eine gewisse Zeit in einer beliebigen Farbe pulsieren. Das ist tatsächlich ganz nett gelöst und weiß zu Gefallen.

Während die von mir genutzte Smart-Home-Zentrale homee auf ein modulares System offener Standards setzt, kommt die Homey Bridge out of the box als Eierlegende Wollmilchsau Light daher. Geräte können entweder über die offenen Protokolle Z-Wave (Plus) und Zigbee integriert werden, alternativ auch über WLAN und Bluetooth und für weitere Geräte und Komponenten wird sogar Infrarot und 433 MHz geboten – letzteres deckt bekanntlich alle bekannten Baumarktsteckdosen der 2000er-Jahre ab. Das EnOcean-Protokoll sucht man vergeblich, ebenso glänzen auch die Schlagworte Thread und Matter lediglich mit Abwesenheit und jene sind auch nicht für die Homey Bridge geplant. Nun ist die Palette an unterstützten Geräten schon recht breit; dennoch schade, dass man seitens Homey auch in Zukunft keine Notwendigkeit sieht, Thread beziehungsweise Matter per Update nachzuliefern. Vielleicht wartet man aber auch erst einmal deren Entwicklung ab und hat dann für eine Bridge 2.0 nochmal etwas in petto.

Schnelle erste Einrichtung

Die erste Einrichtung der Homey Bridge ist schnell und einfach, hierbei werdet ihr von einem Chatbot (mit mehr oder weniger künstlicher Intelligenz) durch den Prozess geführt. Bei der Accounterstellung fragt man zunächst nur die wichtigsten Informationen ab, also Mail-Adresse, Name und Passwort. Tipp: Über die Home-Webseite kann man auch eine zweistufige Authentifizierung aktivieren, was dringend gemacht werden sollte. Nach der Accounterstellung und der automatischen Einbindung der Homey Bridge geht es dann an erstmal die Einrichtung eures Zuhauses, also Räume definieren und den Standort festlegen – dieser wird beispielsweise für die Wetterdaten oder auch die An- und Abwesenheitserkennung genutzt. Geht wirklich alles ganz easy von der Hand, wobei die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten Homey (also ohne Hardware und nur für webbasierte Verknüpfungen wie beispielsweise eine bestehende Philips-hue-Bridge), Homey Premium, Homey Bridge und Homey Pro für Neueinsteiger etwas verwirrend sein können.

Geräte, Geräte, Geräte

Vorab muss man etwas zum System Homey erklären, denn dieses besitzt zwar hardwareseitig diverse Protokolle, dennoch muss die Zentrale natürlich wissen, worum es sich handelt und was das Gerät bietet. Dazu müssen Geräteprofile hinterlegt werden, die eben aus einer Steckdose eine Steckdose, aus einem RGB-Leuchtreifen einen RGB-Leuchtstreifen oder aus einem Schloss ein Schloss machen. Diese Profile bringt Homey nicht von Haus aus mit, vielmehr müssen entsprechende Apps installiert werden. Für Homey Pro gibt es eine ganze Vielzahl an Apps von Homey, Herstellern oder Drittentwicklern, sodass sich nahezu alles einbinden lässt, was irgendwie funkt. Mit der Bridge lassen allerdings sich nur ausgewählte Apps nutzen, darunter für Namen wie Philips hue, Nuki, Tado, Aeotec, Fibaro, Yeelight, Aquara und Co. Damit hat man alle gängigen und wichtigen Hersteller und Geräte drin, aber eben auch nicht mehr. Apps von Drittentwicklern, zum Beispiel für den LG-TV mit webOS, Octoprint oder die FritzBox, bleiben dem Homey Pro vorbehalten. Es wird nach und nach auch neue Apps für die Homey Bridge geben, es bleib aber bei offiziellen Anwendungen von Homey oder den Herstellern.

Das Einbinden von Geräten ist recht einfach, wenn man es denn richtig macht. Und wie man es richtig macht, dazu gibt es verschiedene Wege. Was man nicht einfach machen sollte und kann: Den Anlernprozess aktivieren und die App findet das entsprechende Gerät. Vielmehr muss man vorab schon das richtige Gerät auswählen: Habt ihr bereits die notwendigen Apps installiert, zeigt euch Homey eine Auswahl an Partner-Apps an, über die ihr dann wiederum alle unterstützten Geräte und Komponenten ausgeführt bekommt und darüber den Prozess starten könnt. Alternativ könnt ihr euch die Suchfunktion nutzen und beispielsweise über “Fibaro” oder “Motion Sensor” die jeweilige Inklusion starten. Infrarot, Zigbee und Z-Wave kann man auch über die “Homey-App” starten, auf diesem Weg werden aber keine Geräteprofile übernommen, was auch aus Bewegungsmeldern einen Schalter macht. Schade, dass man nicht im Nachgang ein Profil auswählen kann, sondern das Gerät erst löschen und dann nochmal korrekt einbinden muss.

Wichtig für Philips hue: Leuchten müssen ohne ein Profil als generische Zigbee-Leuchte eingelernt werden, die hue-App für Homey setzt die Nutzung der hue-Bridge voraus. Grund für diese Entscheidung: Die Leuchten von Philips respektive Signify unterscheiden sich per se gar nicht so sehr von anderen Zigbee-Leuchten. Die hue-App hingegen bringt eine Reihe an Lichtfunktionen mit, die man bei Einbindung ohne Bridge nicht nutzen kann und die man offensichtlich nicht in dieser Form exklusiv für Philips hue nachbauen wollte, was ein riesiges Unterfangen werden würde. Ich weiß, dass viele das System “Philips hue” als solches integriert haben möchten; immerhin auch in der homee-Community ein oft gehörtes Rufen. Verstehen kann ich das aber nicht, denn ich setze auf Multi-Lösungen, um eben möglichst wenig Basisstationen nutzen zu müssen. Aber gut, die gängigen Leuchten kann man aber eben wie gesagt auch ohne Probleme als generisches Zigbee-Gerät einbinden – wie es dann aber bei spezielleren Leuchten aus der hue-Range aussieht, kann ich nicht beurteilen. Für den Homey Pro gibt es übrigens eine inoffizielle “Philips hue without the bridge”-App, die etwas mehr Kompatibilität verspricht.

Hat man den Dreh einmal raus ist das ganze recht einfach, für unbedarfte Nutzer kann der Prozess aber auf den ersten Blick etwas undurchsichtig erscheinen. Für Infrarot-Geräte ist das ganze übrigens noch am besten umgesetzt, da hier nach Auswahl des Protokolls eine Suchliste erscheint und man direkt den Bogen bekommt, dass man eben nicht nur Zigbee oder Z-Wave auswählen muss, sondern explizit das gewünschte Gerät filtern sollte. Ansonsten für Zigbee und Z-Wave ganz nett: Für jede unterstützte Komponente gibt es eine kurze Anleitung zum Anlernprozess. Nicht ganz so nett: Es gibt nicht zwingend für jede Komponente eine kurze Anleitung zum Anlernprozess. Da ist der Katalog bei selteneren und älteren Geräten noch nicht ganz gegeben, was bei der Vielzahl an Komponenten mit Zigbee und Z-Wave aber auch ein sehr umfangreiches Unterfangen werden kann. Abgesehen dieser kleinen Makel in der Benuterführung klappte das Einbinden aber fehlerfrei, egal ob nun meine zahlreichen Komponenten von Fibaro, die Leuchten von Philips hue und INNR oder auch API-Plattformen wie Nuki oder Tado.

Was auch nicht ganz unwichtig ist: Die Stabilität der Netzwerke. Bei per WLAN beziehungsweise API angebundenen Geräten und Diensten spielt natürlich auch immer die Reaktionszeit der API eine Rolle, zumindest bei Nuki und Tado konnte ich da nichts schlechtes sagen. Was Z-Wave und Zigbee betrifft, so habe ich inzwischen “All In” mal rund 50 Geräte eingebunden. Bei Z-Wave eine Mischung aus batterie- und strombetriebenen Geräten wie Sensoren und Steckdosen, da ist die Reaktionszeit ausgesprochen gut und zuverlässig. Gefühlt deutlich besser als es zuletzt bei homee der Fall war, auch bis in den Keller und durch ein Stockwerk. Bei Zigbee gibt es Licht und Schatten, denn die Reichweite scheint deutlich geringer zu sein. Da muss man dann aufpassen, dass zwischen den einzelnen Geräten nicht zu große Abstände herrschen, 10 Meter und durch zwei Räume ist da schon kritisch. Mit ausreichend Brücken alle 4-5 Meter passt es aber und dann sind Reaktionszeit und Stabilität auch absolut zufriedenstellend.

Ein Rundgang durch die App

Ein Smart-Home-System ist umfangreich und unterscheidet sich von Haushalt zu Haushalt. Die einen wollen einfach nur eine einfache App-Steuerung für Leuchten und Steckdosen, andere möchten möglichst viel miteinander vernetzen oder automatisieren und feinjustieren. Da ist ein kompletter Überblick über jede einzelne Möglichkeit und Geräteeinstellung natürlich komplex, ich versuche hier dennoch einmal einen kurzen Überblick über die Homey-App und das, was mit dieser so möglich ist, zu geben. Die App wurde übrigens vor kurzem komplett neu gestaltet und hinterlässt optisch einen sehr ansprechenden Eindruck, auch wenn hier und da nicht alles ganz so rund oder im Sinne des Users zu Ende gedacht wurde. Insgesamt kann man aber nur Kleinigkeiten bemängeln, die App ist übersichtlich aufgebaut und strukturiert und wirkt modern. Schade ist aber, dass man auf einen dunklen Modus zum jetzigen Zeitpunkt noch warten muss.

Startseite

Die Startseite bietet euch einen schnellen Zugriff auf häufiger genutzte Geräte und Flows (Automatisierungen, siehe unten), ebenso erhaltet ihr einen schnellen Überblick über das Wetter, den aktuellen Status aller User, sowie eine Timeline mit wichtigen Vorkommnissen, beispielsweise sicherheitsrelevante Meldungen vom Brandmelder, Batteriemeldungen und dergleichen. Für die Timeline könnt ihr auswählen, welche Art von Nachrichten ihr in der Liste angezeigt bekommen wollt und ob außerdem auch eine Push-Benachrichtigung ausgelöst werden soll. Ganz praktisch, ich würde mir aber eine noch feinere Justierung der angezeigten Benachrichtigungen wünschen. Über das Usericon könnt ihr den Status (anwesend, abwesend, schlafend, wach) manuell festlegen, falls dieser mal nicht korrekt erkannt wurde. Prinzipiell ist die Startseite funktionell gestaltet, ich würde mir aber noch die ein oder andere optionale Übersicht wünschen, beispielsweise Schnellzugriffe auf “alle Lampen” oder ähnliches.

Geräte

Je nach Nutzungsverhalten wird der Reiter Geräte sicherlich von vielen am häufigsten genutzt, optisch erinnert der Aufbau etwas an Apples Home-App. Die Liste beherbergt alle Räume und die jenen zugewiesenen Geräte, allesamt alphabetisch sortiert. Wer es kompakter mag, der kann sich auch lediglich eine Liste aller Räume einblenden und gelangt dann per Tap zu den jeweiligen Geräten. Eine manuelle Sortierung der Listen (Räume und Geräte) ist nicht möglich, die App sortiert stur alphabetisch anhand der Bezeichnung. Hat den Vorteil, dass man sich natürlich keine Gedanken über eine Sortierung machen muss, allerdings auch den Nachteil, dass Geräte, die man vielleicht nicht immer im Blick behalten muss, ebenso angezeigt werden. Eine Filtermöglichkeit, zum Beispiel nach Gerätetyp, oder ein Ausblenden bestimmter Geräte auf der Hauptübersicht wäre ganz praktisch.

Schalter und Leuchten lassen sich per Tap direkt aus der Übersicht heraus ein- und ausschalten, per längerem Druck öffnet sich ein Overlay, welches entweder weitere Steuerungsmöglichkeiten oder Informationen bietet. Bei Leuchten ist dies beispielsweise die Helligkeit oder Farbe, bei Sensoren aktuelle Daten und bei Thermostaten die aktuelle Temperatur. Darüber hinaus gibt es eine eigene Ansicht für den Ladestand batteriebetriebener Komponenten, eine Übersicht über relevante Automationen und eine Timeline, die so gut wie alle Ereignisse rund um das Gerät auflistet. Bei Farben etwas schade, dass man keine Favoriten definieren oder einen Farbwert kopieren kann. Zwar gibt eine gröbere Farbauswahl in verschiedenen Abstufungen, nutzt man aber den Farbkreis zur Auswahl einer Farbe, wird man niemals bei zwei Geräten oder Versuchen die identische Farbe treffen.

Auch die Geräteeinstellungen unterscheiden sich natürlich von Gerät zu Gerät. Allen gemein ist, dass ihr einen Namen, ein Symbol und eine Zone hinterlegen könnt. Die Statusanzeige wird euch in der oberen rechten Kachel angezeigt, die Information kann je nach Gerät eingestellt werden oder nicht: Bei Leuchtmitteln ist das zumeist fix der Status oder die Farbe, bei Steckdosen könnte das der Gesamtverbrauch oder der aktuelle Verbrauch sein und bei Sensoren entweder ein Warnsymbol für Bewegung, die aktuelle Temperatur oder Helligkeit. Bei Steckdosen könnt ihr darüber hinaus noch die Art des angeschlossenen Gerätes festlegen, zum Beispiel Lampe, Klimaanlage, Heizung oder weiteres. Auf diese Weise finden Steckdosen mit eingesteckten Leuchten auch in Automationen mit der Schaltung “aller Lampen” Beachtung. Die weiteren Möglichkeiten unterscheiden sich natürlich stark von Gerät zu Gerät und auch dem Protokoll, gerade bei Z-Wave-Geräten kann die Feinjustierung sehr ausufern – im Detail aber eher etwas für erfahrenere Nutzer.

(Advanced) Flows

Flows sind die Automatisierungen der Homey-Plattform und vergleichbar mit Homeegrammen bei homee oder Automationen in Apple Home. Im Kern sind alle Flows nach einem simplen Wenn-Dann-Sonst-Prinzip aufgebaut, was mit wenigen Klicks erste Erfolge einbringt. “Wenn Sonnenuntergang, dann Licht an” wäre noch das einfachste Konstrukt. Eure erstellen Flows werden, analog der Geräteliste, alphabetisch sortiert und können mit Ordnern und Unterordnern gegliedert werden, insbesondere bei vielen Automationen und Hilfsautomationen schafft das Übersichtlichkeit. Ein Wissen, dass für die Erstellung erster Flows von Vorteil sein kann: Unabhängig vom “Wenn”-Ereignis zur automatischen Ausführung lassen sich Flows über das Play-Icon zu jedem Zeitpunkt manuell auslösen, wobei die weiteren Bedingungen natürlich dennoch geprüft werden. Denn das Starten des Flows kann zwar als Trigger genutzt werden, da allerdings nur ein Trigger möglich ist, stellt dies reine manuelle Flows dar. In selteneren Fällen so gewollt, aber anfänglich stellt man sich schonmal die Frage, ob man zwischen manuell oder automatisch wählen muss – und das ist eben dank des Play-Icons nicht zwingend.

Als Auslöser kann nahezu alles herhalten, was Homey und die Geräte an Statusmeldungen und Schaltern zu bieten haben. So kann ein Flow ausgelöst werden, wenn beispielsweise das Schloss entriegelt, ein Schalter eingeschaltet oder eine Bewegung erkannt wird – oder umgekehrt. Auch automatische Auslöser zu einer bestimmten Uhrzeit, bei Sonnenauf- und untergang, bei Ankunft eines Nutzers, bei Erhöhung eines bestimmten Messwertes (zum Beispiel Energieverbrauch oder Helligkeit) oder auch WebHooks stehen zur Verfügung. Wie gesagt: Alles was irgendwo im Homey-System geschieht, kann dazu genutzt werden, um Flows automatisch zu triggern. Schade ist hierbei aber eben die Tatsache, dass ein Flow nur einen einzigen Auslöser verwenden kann, dabei wäre eine “wenn Gerät x Bewegung meldet oder Steckdose y eingeschaltet wird” eine praktische Sache. Kann man natürlich über einen Flow mit den eigentlichen Aktionen und den jeweiligen Auslöser-Flows umgehen, wird aber schnell unübersichtlich.

Neben den Auslösern könnt ihr Flows aber zusätzlich mit Bedingungen versehen. Klassisch wäre das sicherlich die Uhrzeit, sodass Lampen bei Ankung nur zwischen 15 und 0 Uhr beziehungsweise nur nach Sonnenuntergang eingeschaltet werden. Bei Auslösern könnt ihr ebenfalls auf allerhand zusätzlicher Prüfungen zurückgreifen. Nur wenn jemand anwesend ist? Nur wenn Melder X eine Bewegung meldet? Nur wenn Flow Y aktiviert ist? Solche simpleren Dinge. Komplexer wird es mit Karten aus der Kategorie “Logik”, denn hier könnt ihr zum Beispiel festlegen, dass ein bestimmter Sensor eine bestimmte Helligkeit gemessen haben muss, das Dimmlevel einer Leuchte unter einer definierten Prozentzahl liegt und dergleichen. Worauf man aber achten muss: Nicht immer ist alles direkt ersichtlich. Wollt ihr zum Beispiel auf das Dimmlevel prüfen und soll dieses unter 15% liegen, dürft ihr eben nicht 15 eingeben, sondern müsst das in Form einer Dezimalzahl – in dem Beispiel also 0,15 – hinterlegen. Im Detail naheliegend, eine Erklärung wäre aber notwendig oder man baut direkt einen Regler ein. Das sind so Kleinigkeiten, bei denen man die Nutzer etwas alleine lässt und die bei Problemen erstmal für Frust sorgen.

Zu guter Letzt besitzen Flows dann natürlich auch die eigentlichen Aktionen. Also “Wenn Schloss geöffnet wird, dann Schalte das Licht ein”. Hierbei könnt ihr auf einen Schlag alle Lampen im Haus oder in einem bestimmten Raum einschalten oder oder oder. Was den ein oder anderen Flow einsparen kann, ist die “Sonst”-Aktion, die eben dann durchgeführt wird. Aktionen können hierbei mit einer Verzögerung hinterlegt werden, die auch als zufällige Zeitspanne von beispielhaften 2-5 Minuten angegeben werden kann. Was wichtig ist zu wissen: Die Bedingungen werden immer nur einmalig bei Ausführung des Flows geprüft. Klingt erstmal logisch, kann in einigen komplexer gedachten Automatisierungen mit Verzögerung aber zu Problemen führen, wenn sich zwischen Auslösen und Verzögerung etwas ändert. homee bietet dazu auch die Option “Beim Ausführen der Aktion prüfen” an.

Insgesamt sind die Flows schon sehr gut aufgestellt, hier und da sind sie mir persönlich aber zu umständlich oder man muss auf zu viele Hilfs-Flows ausweichen. Komplexer wird es mit den neuen Advanced Flows, die sich inzwischen auch mit der Homey Bridge über die Web-App nutzen lassen. Diese erlauben unter anderem mehrere Wenn-Auslöser, verschieden platzierte Verzögerung und weitere Prüfungen, Abhängigkeiten und Verzweigen. Zwar ist der Homey Pro auch hier aufgrund der Erweiterbarkeit von Flow-Funktionen durch Apps von Drittentwicklern und Homey Script überlegen, aber für die ersten umfangreicheren Schritte erlauben die Advance Flows auch mit der Bridge viele Spielereien und sind eine nette Ergänzung. Aber auch für die Advanced Flows gilt: Die UI geizt hier und da mit Informationen. Zum Beispiel wäre eine Info über die aktuell gemessene Helligkeit oder das Dimmlevel einer Leuchte ganz nett. Homey unterstützt weiterführend auch Variablen. Einfaches Beispiel wäre die Variable “Urlaub”, die mit ja oder nein belegt werden kann und daher eine spätere Prüfung auf diesen Wert erlaubt. Ebenso können Textvariablen und Zahlen gespeichert und in Flows geprüft und verändert werden.

Energie

Homey wertet den Energieverbrauch eurer Geräte aus und zeigt euch die Statistiken im entsprechenden Reiter an. Das funktioniert natürlich erstmal nur mit Steckdosen, die über eine entsprechende Messung verfügen. Für andere Geräte könnt ihr in den Geräteeinstellungen aber einen Verbrauch für eingeschaltete und ausgeschaltete Geräte hinterlegen, sodass Homey auch diese berücksichtigt. Aber: Das ist dann natürlich sehr schwankend, denn beispielsweise bei Leuchten variiert der Stromverbrauch alleine schon bei wechselnden Helligkeiten und Farben. Für einen groben Überblick ist das vielleicht ganz nett, ehrlich gesagt bringt es für mich nur einen sehr geringen Mehrwert und ich würde den Reiter eigentlich gerne ausblenden. Interessanter wird die Geschichte natürlich, wenn man entsprechend aufgestellt ist und Smart-Energy-Komponenten nutzt, die direkt mit dem Stromzähler kommunizieren oder anderweitig den Stromverbrauch messen.

Sprachassistenten

Homey selbst bietet – zum Glück – keinen eigenen Sprachassistenten an, vielmehr setzt man auf Amazon Alexa, Google Assistant und Siri. Für Amazon Alexa und den Google Assistant bietet man entsprechende Apps für die beiden Plattformen an, um Geräte und Flows zu diesen zu übertragen und per Zuruf steuer- und ausführbar zu machen. Bei Apple ist man aber rudimentärer unterwegs, denn da gibt es nur die Möglichkeit, favorisierte Flows in Kurzbefehle zu übernehmen. Keine Geräte, kein HomeKit – das ist dem großen Homey Pro vorbehalten. Schade, denn auch wenn die Apps von Homey selbst und Apple Home etwas rudimentär wirken, kann eine Übergabe an die Home.app schon praktisch sein. Wer also in den heimischen vier Wänden auf Siri als Sprachassistentin setzt, der wird mit Homey Bridge nur bedingt glücklich werden, das ist nahe an einem Totalausfall…

Weitere Notizen rund um die App

Die obigen Punkte stellen nur die Hauptreiter in der Homey-App und der Homey Bridge dar, es gibt noch einige weitere Dinge, die sich finden lassen. Hierzu gehören zum Beispiel die Insights, die nur über den Browser aufzurufen sind und Verläufe einzelner Sensordaten liefern. Weitere Benutzer können per Einladungslink eingeladen werden, wobei man hier nur zwischen Administrator, Bewohner und Gast unterscheidet. Bewohner können Geräte, Zonen, Flows und Variablen verwalten – Gäste können lediglich Flows und Geräte aktivieren. Eine feinere Justierung der Rechte wäre praktisch, zum Beispiel indem man die Steuerung bestimmter Geräte für einzelne Nutzer deaktiviert. Ist aber Stand Jetzt nicht vorgesehen, sehe ich aber gerade bei Familien als unabdingbar an. Weiterführend gibt es eine Übersicht über alle Batteriestände batteriebetriebener Geräte, ihr könnt die Zuhause/-Unterwegs-Erkennung per Nutzer ein- oder ausschalten und derlei Kleinigkeiten.

Datenschutz, Abo und Cloud

Die kontroversesten Themen rund um die Homey Bridge sind sicherlich die Themen Datenschutz, Abonnement und Cloud, die ineinandergreifen. In Sachen Datenschutz ist man bei Homey aber recht gut aufgestellt, immerhin greift bei Athom das europäische Datenschutzgesetz. Seitens Homey betont man, dass man keine Nutzerdaten verkauft oder die Daten fürs Profilling und Werbung nutzt. Als Nutzer kann oder besser gesagt sollte man sowas voraussetzen, denn Smart Home ist immer kritischer zu beäugen und man zahlt eben bereits für die Hardware. Und Zahlen wäre das nächste Schlagwort. Die Homey Bridge wechselt für 69 Euro den Besitzer, angesichts der verbauten Hardware ein Schnapper. Damit ist man aber nicht kostendeckend unterwegs, weshalb Athom auf ein monatliches Abonnement setzt. Bis zu fünf Geräte lassen sich ohne Premium-Abo nutzen, mehr Geräte (plus Extras wie Variablen und Co.) schlagen mit 2,99 Euro zu Buche.

Den Preis empfinde ich als fair bemessen, über ein monatliches Abo fürs Smart Home kann man aber ausgiebig streiten. Sollte man die Hardware dann entsprechend teurer machen? Oder spricht man über einen günstigeren Preis plus Abonnement mehr Nutzer an, die eben nicht gleich 200, 300 oder 400 Euro in die Basishardware investieren wollen? Das ist nicht nur aus Nutzersicht ein schwieriges Thema, denn ein Unternehmen muss wirtschaftlich denken und sein. Bringt natürlich niemandem etwas, wenn man sein ganzes System auf eine Zentrale aufbaut und der Hersteller dann in 1-2 Jahren pleite geht. Wesentlich kritischer ist für mich da die Tatsache, dass Homey Bridge ein rein cloudbasiertes System darstellt und der Zugriff auf die App ohne Internetzugang auf beiden Seiten (Smartphone und Bridge) gar nicht erst möglich ist. Da steht man dann schnell mal im Dunkeln, wenn entweder das heimische Internet ausfällt oder Homey Serverprobleme hat. Mal ganz davon ab, was passiert, sollte der Hersteller pleite gehen (VonMoof *hust*). In dem Fall wird die Homey Bridge dann Elektroschrott, während Zentralen wie zum Beispiel der Homey Pro zwar keine neuen Funktionen mehr erhalten, aber gemäß dem Status Quo weiter genutzt werden kann. Immer im Hinterkopf behalten.

tl;dr und Fazit

Der Name Homey steht Allgemeinhin als eierlegende Wollmilchsau im Smart Home und ist neben homee die einzige wirkliche fertige(!) Allround-Lösung, wenn man nicht auf die Bridges eines Herstellers setzen, sondern möglichst flexibel sein möchte. Mit WLAN, Bluetooth, 433 MHz, Zigbee, Z-Wave und Infrarot bringt die Homey Bridge da fast schon alles wichtige mit, für die Zukunft würde ich mir aber noch ein Umdenken in der Thread-/Matter-Geschichte wünschen. Das System selbst bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, für wirkliche Power-User dürften die ein oder anderen Features aber stellenweise aber nicht tief genug umgesetzt sein – die müssen oder sollten sich eher Homey Pro anschauen. Dies ist aber bewusst so gehalten, denn Homey Bridge richtet sich vornehmlich an Nutzer, die neu ins Thema Smart Home einsteigen. Das im Hinterkopf ist das, was man für 69 Euro geboten bekommt, wirklich viel und in diesem Umfang und mit dieser Kompatibilität findet man in der Preislage nichts vergleichbares. Selbst der Basiswürfel von homee schlägt bereits mit 129 Euro zu Buche und kann das außer WLAN nichts, Zigbee und Z-Wave liegen nochmals im gleichen Preisgefilde.

Wenn man bereit ist, das monatliche Abonnement auf den Tisch zu legen um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, dann wäre die Homey Bridge eigentlich eine starke Lösung für Neueinsteiger und 0815-Smart-Home-Nutzer. Aber: Der Cloud-Zwang ist in meinen Augen ein No-Go. Nun ist es natürlich so, dass Smart-Home-Zentralen im Normalfall immer auf eine Cloudlösung setzen “müssen”, damit diese auch von unterwegs aus erreichbar sind – macht auch besagtes homee nicht anders. Im heimischen WLAN aber sollte eine Zentrale auch ohne Internet funktionsfähig sein, anderenfalls sitzt man schnell im dunkel oder bekommt wichtige Sensoralarme gar nicht mit. Könnt ihr euch ja selbst ausmalen, wie das ganze aussieht, wenn eure Leitung mal für ein paar Stunden tot ist oder die Homey-Server Probleme haben. Das Argument “Ich kann die Lampen ja auch mit der Hand ausschalten” gilt nämlich dann nicht, wenn man Steckdosen hinter Schränken oder sonst wo verbaut hat. Ich weiß, dass es einige cloudbasierte Dienste gibt, die auch durchaus beliebt und erfolgreich sind, für mich persönlich wäre das aber nichts…

Athom Homey Bridge im Test: Günstige, aber vielseitige Smart-Home-Zentrale für Einsteiger – leider nur mit Cloud (2024)

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Name: Neely Ledner

Birthday: 1998-06-09

Address: 443 Barrows Terrace, New Jodyberg, CO 57462-5329

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Job: Central Legal Facilitator

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